Frauenarzt
19:45

»Mutterficker«

Untergrund-Rap hat seit jeher einen Namen: Frauenarzt. Seit der Berliner MC und die Bassboxxx-Clique in den späten 90ern mit ihren dadaistisch anmutenden Performances in den ersten Westberliner Bruchbuden für Furore sorgte, ist deutscher Rap untrennbar mit ihm verwoben. Zu Miami Bass und Electro-Beats wurden Plattenspieler mit Motorsägen berabeitet, Hardcore-Rap hoffähig gemacht und so ziemlich jede Stadt der Republik bespielt. Die ersten Tapes, damals aus dem Kofferraum heraus vertickt, werden inzwischen zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt, jede neue Veröffentlichung in die Vitrine gestellt und von der extrem treuen Fanbase frenetisch gefeiert.

Das Motto der Anhänger: Du sollst keine Götter neben Frauenarzt haben.

20 Jahre später ist der Typ in »T-Shirt & Jeans« erfolgreicher als je zuvor. Ob er im Team mit seinem Dauerpartner Manny Marc als »Die Atzen« Gold und Platin einheimst, Nena featuret oder nach wie vor auf den dreckigsten Untergrund- und Rap-Platten des Landes vertreten ist: Das Fazit eines Abends mit Frauenarzt lautet nach wie vor: »Brennt den Club ab!«.

In Sachen Live-Erfahrung macht ihm sowieso niemand etwas vor. Mit seinem neuen Album, welches über das von ihm mitgegründete Independent-Label Proletik erscheint, spannt Frauenarzt gekonnt einen Bogen von klassischem Westberlin-Rap zu aktuellen Trap-Sounds, die er schon einsetzte, lange bevor man ohne sie nicht mehr auskam. Seine erste Single »Zieh dein Shirt aus« aus dem kommenden Album »Mutterficker« (welches mit Features von Taktloss & MC Bomber um die Ecke kommt) ist somit genau das, was man 2016 von einer Legende erwarten kann: Westberlin Battlerap.

Untergrund Renaissance. Frauenarzt 2.0 – Kunstfigur, Legende, Atze. Realnessfaktor 100