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Sozialisiert im Dunstkreis der ersten Generation Berliner Untergrund-Raps und aufgewachsen als Sohn des Schriftstellers und DDR-Denunzianten Uwe Kolbe, verkörpert Mach One schon immer zwei Welten: die Anti-Haltung der Royal-Bunker-Ära und die lyrische Seite seines Vaters. Sein neues, selbstproduziertes Album „M.A.C.H.“ schlägt diesen Spagat der Kulturen ein weiteres Mal. Reflektierte Gentrifizierungs-Gedanken stehen klassischen Representern gegenüber, Ansagen eines Freaks reihen sich an die Erwartungshaltungen an seine neugewonnene Vaterrolle. Mit uneinsichtigem Grown-Men-Rap, der sich sympathisch dem Zeitgeist verweigert, hat sich Mach seine ganz eigene Nische in der boomenden Szene geschaffen und ein treues, dankbares Netzwerk zeitloser Traditionalisten aufgebaut. Dass er mit Mitte 30 nochmal eine Chance dazu bekam, gleicht einem Wunder.

 

Als der Ur-Berliner 2002 für fünf Wochen ins Gefängnis muss, beschlagnahmt die Polizei die kompletten Geräte seines Home-Studios „Das Lätzte Loch“, dem damaligen Treffpunkt der Bassboxxx-Crew, in dem Mach zuvor noch Frauenarzt‘ kultisch-verehrtes Debüt-Tape „BC“ mitproduzierte. Während die Aggro-Ära ihren Siegeszug antritt und der harte Index-Entwurf der Berliner Schule landesweit Nachahmer findet, startete Mach nochmal von Null. Das Geld, das er bei einem Existenzgründer-Wettbewerb gewinnt, steckt er in den Wiederaufbau seines Studios und veröffentlicht 2005 das erste Solo-Album „Meisterstück 1 – Guter Rap gedeiht im Dreck“.

 

Der Kreuzberger Heimatbezirk war damals noch kein Szenekiez, in dem Bio-Mittagstische, Jutebeutelträger und schicke Cafés das Stadtbild prägten: „Hier gab es Ecken, die man besser meidete, wollte man keinen Ärger riskieren. Das darfst du ja heute keinem mehr erzählen“, beschreibt Mach das damalige Kreuzberg in einem späteren Interview. Die Writer-Legende bleibt der Straße erhalten. Bei einem „Friedensgespräch“ zweier verfeindeter Graffiti-Crews, wird Mach im Mai 2006 niedergestochen und überlebt die lebensbedrohlichen Stichverletzungen an Lunge und Hals nur knapp. Vom Nahtod-Erlebnis erholt, vollzieht er einen Lebenswandel. Was andere als Promo-Strategie nutzen würden, bringt Mach dazu, sein Leben zu überdenken.

 

Er schlägt sich mit Grafikerjobs durch, veröffentlicht Alben mit den Langzeit-Wegbegleitern Darn, Vork und King Orgasmus und bringt 2012 den zweiten Teil seiner „Meisterstück“-Trilogie raus. Zum Schlüsselmoment wird das Vor-Release-Konzert in Berlin, bei dem Mach im ausverkauften YAAM vor 500 Zuschauern seine Rückkehr feiert. „Meisterstück 2 – Rock’n’Roll“ steigt auf Platz 24 der Charts ein, bringt Mach auf „Innen Drinnen Tour“, bei der er im Wohnzimmer seiner Fans auftritt und kurz darauf auf die erste eigene Deutschland-Tour. „Ich habe meiner Mutter damals gesagt: ‚Ich brech‘ die Schule ab und werde Künstler‘. Jetzt habe ich endlich das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben“, beschreibt er seinen vorläufigen Karriere-Höhepunkt auf dem Splash! 2013. Den Legendenstatus in der Hauptstadt hat Mach längst inne. Mit „M.A.C.H.“ zementiert der integerste Charakter der aktuellen Rap-Spielzeit diesen Status auch in der gesamten Szene.